FIfF-Konferenz 2016 – in.visible systems

Versteckte Informationstechnik ist nicht diskutierbar

In einer digitalisierten Gesellschaft untergraben unsichtbare Systeme die individuelle Selbst- und demokratische Mitbestimmung. Doch nicht nur das, die Manipulation von Denken und Handeln ist zur treibenden Kraft der IT-Entwicklung geworden.

Zweck von Informationstechnik ist immer auch Komplexitätsreduktion und -verschleierung. Wir müssen also reflektieren, wie viel Transparenz möglich und nötig ist, um den unterschiedlichen Motivationen in Technikgestaltung und -organisation gerecht zu werden. Nur unter Beachtung dieser Doppelnatur können wir einen bewussten demokratischen Gestaltungsprozess in Gang bringen.

Die Kritik des Unsichtbaren verfolgt insofern das Anliegen, Akteure, Intentionen, Prozesse und Technik zu beleuchten, über Bedingungen für Verantwortung und Mitbestimmung neu nachzudenken und nicht zuletzt Praktiken des Sichtbarmachens oder der Intervenierbarkeit zu entwickeln, an die wir unsere Grund- und Menschenrechte knüpfen können. Auf der Konferenz wollen wir Beiträgen und Diskussionen zu diesen Themen Raum geben.

Unsere Gäste sind Jan Philipp Albrecht, Corinna Bath, Anna Biselli, Wolfgang Coy, Marit Hansen, Leon Hempel, Andrea Knaut, Hans-Jörg Kreowski, Constanze Kurz, Klaus Landefeld, Erich Möchel, Ok-Hee Jeong, Judith Simon, Arne Semsrott, Debora Weber-Wulff und Gaby Weber.

Videos

Alle Mitschnitte der Vorträge sind zu finden im Programm, unter media.ccc.de/c/fiffkon16 und auf YouTube.

Programm

Freitag, 25.11.

19:00 Begrüßung durch Stefan Hügel
(Video)
19:10 Stefan Ullrich:
Kleine Geschichten verborgener Technik
Das Verstecken von Zahnrädern, Kabeln und sonstigen technischen Bestandteilen hat Tradition, man denke nur an Vaucansons Flötenspieler oder den doppelten Boden in den Serverräumen von IBM. Interessierte oder gar versierte Nutzerinnen und Nutzer sind in der Schönen Neuen Welt nicht erwünscht: »You Press the Button, We Do the Rest«. Doch was passiert, wenn wir die Wartungsklappe öffnen?(Video)
19:55 Erich Möchel:
CYBER! Der Staat als Krimineller.
Nach Stuxnet, Duqu, oder Zeus und Black Energy, nach dem Re-Engineering des Bundestrojaners und den Enthüllungen Edward Snowdens über den massiven Einsatz hochentwickelter Schadsoftware durch NSA und GCHQ ist klar, dass hier ein neuartiger Rüstungswettlauf außer Kontrolle geraten ist.(Video)
20:40 kleine Pause (20 Minuten)
21:00 Jan Philipp Albrecht:
Weitergehende Erkenntnisse aus den Verhandlungen zur EU-Datenschutzgrundverordnung
Im Vortrag wird es darum gehen, welche Grundannahmen der Unternehmen und staatlichen Akteure sich in den DSGVO-Verhandlungen gezeigt haben. Welche Punkte waren ihnen sehr wichtig, welche eher weniger und was kann man daraus ableiten, wie ihre zukünftigen Geschäftsmodelle aussehen.(Video)
21:50 Anna Biselli:
Geheimdienste außer Kontrolle und warum die BND-Reform keine ist.
In den letzten 2,5 Jahren sind im NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestages zahlreiche Rechtsverstöße und fragwürdige Praktiken des BND zu Tage getreten. Doch anstatt dafür zu sorgen, dieses Vorgehen abzustellen, Geheimdienste zu beschränken und besser zu kontrollieren, werden ihre Befugnisse ausgeweitet und die bisherigen Aktivitäten weitgehend legalisiert.
Es stellt sich die Frage, wie und ob Geheimdienste kontrollierbar sind, wenn ihre Haupteigenschaft ist, im Geheimen zu agieren und selbst das Parlament nicht wissen soll, was sie genau tun. Und: Passen solche Institutionen überhaupt in eine demokratische Gesellschaft?
(Video)
22:35 Bunte Bar
mit freiem Audiogemüse vom Tonkerl Chak'pur:
Bedingungsloses Grundeintanzen (BGE, pure Creative-Commons-Musike)

Samstag, 26.11.

  • Vorträge

    10:00 Leon Hempel:
    Transparenz zwischen normativem Anspruch und kultivierter Unsichtbarkeit
    Beobachtung erfolgt in sozialen Situationen. Sie verlangt Kooperation zwischen den Akteuren, der beobachtenden Instanz und den Beobachteten – und dies in Kontexten von Überwachung und Kontrolle als Zwang. Wird die Lebenswelt zunehmend verwandelt in eine Art Laborsituation, in der jede soziale Situation ihrer Analysierbarkeit unterworfen ist, so verflüchtigt sich die Tatsache, dass permanent kooperiert wird ins Unbewusste. An drei unterschiedlichen Praktiken alltäglicher Techniknutzung werde ich das Problem der Transparenz in diesem Raum kooperativen Zwangs diskutieren. (Video)
    10:50 Corinna Bath:
    Sozial gerechte Algorithmen? Problematiken, theoretische Konzepte und Perspektiven der Geschlechterforschung
    Dass Algorithmen häufig als neutral gelten, setzt voraus, sie zunächst von ihren jeweiligen sozialen Kontexten der Entstehung und Wirkung abzutrennen. Im Vortrag möchte ich – aus der Tradition der Geschlechterforschung heraus – Unsichtbares sichtbarer machen und damit Problematiken dieses Neutralisierungstricks verdeutlichen. Im Fokus stehen Verzerrungen, die als sexistisch, rassistisch oder anderweitig ungerecht bezeichnet werden können. Zugleich geht es mir darum, ein performatives Verständnis von Algorithmen vorzustellen, welches diese Kontextualisierungen theoretisch zu fassen sucht. Ziel ist es, damit Möglichkeiten der Analyse ungerechter und der Gestaltung sozial gerechterer Algorithmen zu eröffnen.(Video)
    11:50 kleine Pause
    12:25 Marit Hansen:
    Funktioniert Datenschutz im Unsichtbaren?- Datenschutzgarantien, Transparenz und Intervenierbarkeit in versteckter Informationstechnik -
    Datenschutz bedeutet nicht nur informationelle Selbstbestimmung, sondern dient auch als Korrektiv beim Machtgefälle zwischen Datenverarbeitern und betroffenen Personen. In dem Vortrag geht es um die folgenden Fragen: Kann Datenschutz in versteckter Informationstechnik überhaupt realisiert werden? Bedeutet "Privacy by Default", dass Datenschutz fest eingebaut ist und gar nicht mehr im Blickfeld der Nutzenden stehen müsste? Welche Herausforderungen bestehen angesichts einer für die Betroffenen (und sogar für so manchen Datenverarbeiter) unsichtbaren Funktionalität?(Video)
    13:30 Mittagessen (60 Minuten)
    14:30 Hans-Jörg Kreowski:
    Die weitgehend verborgene Entwicklung autonomer Waffen
    In den Waffenschmieden und Denkfabriken der NATO und sicher auch darüber hinaus findet seit einigen Jahren eine weitgehend vor der Öffentlichkeit verborgene Entwicklung autonomer Waffen statt. Sie sollen so programmiert werden, dass sie in der Luft, auf dem Boden, auf und unter Wasser eigenständig Ziele finden und zerstören können. Insbesondere sollen sie selbständig über Leben und Tod entscheiden können. In dem Vortrag gehe ich auf den Stand der Technik, auf die technischen Herausforderungen autonomer Systeme und auf die Perversität des autonomen Tötens ein.(Video)
    Constanze Kurz' Vortrag musste leider kurzfristig entfallen.
    15:35 Klaus Landefeld:
    Die neue Globalisierung - wenn das Inland zum Ausland wird
    Was hat die Klage gegen den BND wegen Überwachung am Internetknoten DE-CIX mit der BND-Reform nach dem Beschluss zur Ausland-Ausland-Fernmeldeaufklärung zu tun? Sehr sehr viel und darum soll es gehen.(Video)
    16:35 kleine Pause (20 Minuten)
    16:55 Cyberpeace Im Vortrag wollen wir Rückschau auf die vom FIfF vor zwei Jahren gestartete Cyberpeace Kampagne halten und die Highlights Revue passieren lassen.
    Mit der Cyberpeace Kampagne will das FIfF der Öffentlichkeit die gefährliche Durchdringung des virtuellen Raumes mit militärischen Aktivitäten bewusst machen. Ziel der Kampagne ist es, die Zivilgesellschaft zum politischen Handeln zu mobilisieren: gegen Ausspähung der Privatsphäre, zum informationellen Selbstschutz, zur Einforderung sicherer und unkompromittierbarer IT-Produkte und -Infrastrukturen. Sie soll ihr Schutzbedürfnis durch die Politik artikulieren und die Achtung der Menschenrechte im virtuellen Raum einfordern.
    (Video)
    17:45 Judith Simon:
    Un.Sichtbare Datenpraktiken? Big Data in Wirtschaft, Wissenschaft & Politik
    Die Proliferation von Big-Data-Praktiken sind ein relativ neues und komplexes Thema. Insbesondere die Intransparenz der verwendeten – häufig zudem proprietären – Systeme bereitet dabei Schwierigkeiten. Dabei muss man zwischen funktionaler Intransparenz ("kein Zugriff") und epistemischer Intransparenz ("Schnelligkeit", "Komplexität der Prozesse", usw.) unterscheiden, um sinnvolle Desiderate für die Governance von Big Data ableiten zu können. Ein wesentlicher Teil solcher Governancebemühungen sind neben den rechtlichen Regelungen natürlich auch die transparenzföderliche Gestaltung der IT-Systemen (Stichwort: value-sensitive Design).(Video)
    18:30 Abendessen (60 Minuten)
    19:30 Wolfgang Coy:
    An den Enden der Informatik So wie die Physik vom Subatomaren bis zum Kosmischen forscht, spannt sich die Informatik von den beliebig unterteilten Dingen des Internet of Things bis zu den weltumspannenden Netzen, die im letzten Jahrzehnt riesige Data Centers als Knoten ausgebildet haben. Wir bewegen uns im digitalen Nebel der Clouds und im Dunstkreis unserer Wearables in immer engmaschigeren Datengeweben. Wo soll das Alles enden? (Video)
    20:20 Andrea Knaut:
    Sie haben den Nutzen der Technik noch nicht rational erkannt! – Biometrie verstehen und akzeptieren
    Fingerabdruckscanner in Notebooks, Tablets oder Smartphones reißen heute niemanden mehr vom Hocker. An die Abgabe der Fingerabdrücke für Ausweisdokumente hat man sich gewöhnt. Die Biometrie-Industrie war in Reaktion auf erfolgreiche Hacks ihrer Produkte stets um Aufklärung von Missverständnissen über ihre Technik bemüht. Wird Biometrie inzwischen breiter akzeptiert, weil die Nutzerinnen sie besser verstehen? Der Vortrag diskutiert die Bedeutung der Offenlegung der Fehler und Funktionsweisen von biometrischer Überwachungstechnik für ihre bessere Akzeptanz im Alltag.(Video)
    21:25 Gaby Weber:
    Informationen verstecken und Informationen herauskitzeln
    Wie kommen Bürger an staatliche Informationen? Da gibt es – grob gesehen – zwei Möglichkeiten: entweder man besorgt sie sich "irgendwie", indem man sich (physisch oder digital) dort "hineinschleicht"... aber das ist nicht immer legal. Oder aber man beschreitet den vorgesehenden Weg, der ist jedoch kompliziert, benötigt juristischen Sachverstand und verlangt einen langen Atem. Gut; und wie verhindern Regierungen den freien Informationszugang? Sie haben – grob gesehen – auch zwei Möglichkeiten, eine legale und eine illegale (aber tolerierte). Die legale Möglichkeit besteht darin, keine befriedigenden Zugangsgesetze zu erlassen, immer neue Ausnahmeregelungen zu schaffen, hohe Gebühren einzufordern und die Antragstellenden auf einen langen, kostspieligen Rechtsweg zu schicken. Die zweite Möglichkeit umfasst, dass Minister sensible Akten stehlen, diese mit nach Hause nehmen oder sie in einer privaten Stiftung ablegen. Das ist Diebstahl, wird aber toleriert; legaler Datendiebstahl sozusagen. Gaby Weber hat einige Fälle mitgebracht und wird dann Vorschläge präsentieren, was wir da tun können.(Video)
    22:10 Bunte Bar
    mit Jams von diskodirk3000: From Field Recording to Cosmic
  • Workshops

    ≈10:30 D-JAZ:
    Ad Malvertising – Moderne Verteilungsstrategien für Malware
    Malvertising der Traum des *Black Hats* schlechthin, während früher™ Malware noch mühsam an den User gebracht werden musste, erledigen dies nun komfortabel Werbenetzwerke. Ganz ohne lästiges Klicken, Ausführen und andere komplizierte "Überzeugungsmaßnahmen" kann die Malware auf das Zielsystem aufgebracht werden, ach ist das Leben schön! Das kreisende Dilemma aus Content-Anbieter und Einnahmen, User und Abhängigkeit zum Content-Anbieter, Advertisements-Anbieter als Geldgeber der Content-Anbieter, ist Ausgangspunkt eines kleinen Exkurses in die üblichen Angriffvektoren und Verbreitungsstrategien moderner Malware.
    ≈12:00 Melanie Stilz und Max Krüger:
    Peace Tech – From Hacker Camps and Peace Building in South Sudan to Global Maker Networks in Latin America, Africa and Asia
    The Peace Hack Camp is a global initiative focussing on the bottom-up use of digital technologies in peace building processes. They started out in Juba, bringing together local actors with a global network of innovators and community organisers, and have recently made their way to Colombia, where Peace Hack Camp will take place from November 20-24. In this workshop we will be connecting with the organisers of the Colombia event as well as colleagues in Uganda and take a close look at their use of technological innovation to support peace building efforts in Colombia and South Sudan. Ideation and prototyping will help us to get a better understanding of the possibilities and difficulties and engage in a discussion with our colleagues in Colombia.
    ≈15:00 Amnesty International, Sektion Deutschland:
    Menschenrechte im digitalen Zeitalter
    Unsere Gesellschaft verändert sich tiefgreifend durch die stetige Entwicklung und Verbreitung von Informations- und Telekommunikationtechnologie. Welche Chancen und Bedrohungen hat dieser Wandel für eine freie und demokratische Gesellschaft? Welche Rolle spielen Menschenrechte dabei? Und was können wir politisch bewirken? In einem Workshop von Amnesty International wollen wir uns dazu austauschen. Rolle spielen Menschenrechte dabei? Und was können wir politisch bewirken? In einem Workshop von Amnesty International wollen wir uns dazu austauschen.
    ≈17:00 Demian:
    Was soll das sein, eine politische Informatik?
    "Sinn und Zweck der Digitalisierung ihres Arbeitsplatzes ist die Rationalisierung von Betriebsabläufen und eine Steigerung der Produktivität." "Mit der Cloud haben Sie volle Kontrolle über ihre Daten, immer und überall." "Der elektronische Personalausweis vereinfacht das Einkaufen im Internet." Der Workshop ist von der Vermutung geleitet, dass mit diesen Aussagen etwas nicht stimmt. Wäre es nicht wünschenswert, eine Art politischer Sonnenbrille aufsetzen zu können, die uns vor Manipulationen schützte und das System als Teil unserer gemeinsamen Lebensform begreifen ließe? Technikgestaltung war bisher ein einseitiges Geschäft, ihre Kehrseite Fremdbestimmung, eigene Entfremdung oder Technik-Frust. Im Workshop wollen wir Inhalte und Ziele einer politischen Informatik erarbeiten.
    ≈19:45 Dieter Klumpp:
    Datensteuerung für nachhaltige Mobilität. Sicherheit, Datenprivatheit, Verantwortlichkeit.
    Über die ‚Digitalisierung des Verkehrs‘ läuft derzeit eine breite Diskussion, die mit einer „smarten“ Vielzahl von Schlagworten die Erhaltung einer nachhaltigen Mobilität in „unserer modernen, innovationsoffenen, ressourcenschonenden und verantwortungsbewussten Welt“ anstrebt. Grundsätzliche Fragen für eine praktische Umsetzung (u.a. Haftung der ‚Datenbesitzer‘, Nutzerschutz, Privatheitsschutz) sind noch völlig offen, die unabdingbar hohen Sicherheitsanforderungen schrecken. Eine „Digital-Mobilität“ ohne jegliche personenrückbezügliche Datenerzeugung wäre nur mit neuen Datenarchitekturen realisierbar. Niemand ist aber für Lösungen zuständig und/oder imstande. Im Workshop wollen wir mögliche Lösungsansätze kritisch diskutieren.

Sonntag, 27.11.

10:00 FIfF-Mitgliederversammlung (öffentlich)
12:10 Kai Nothdurft und Sylvia Johnigk:
We hate to say we told you so – IT Sicherheit als Kriegshandwerk
IT-Sicherheit und Cyperwar stehen im Widerspruch zu einander, obwohl sich Militär und Geheimdienste Methoden und Wissen der IT-Sicherheit zu nutze macht. Baut man Cyperwaffen und setzt sie ein, so schwächt man die Sicherheit der IT Infrastruktur und daran angeschlossene Systeme. Für Cyberwaffen benötigt man geheimgehaltene Schwachstellen. Doch das Wissen um diese Schwachstellen bleibt nicht geheim, sondern gelangt irgendwann auch zu anderen nicht staatlichen Kriminellen und gefährdet die IT-Sicherheit.(Video)
13:00 Debora Weber-Wulff:
Viel Licht und noch mehr Schatten: Plagiat in Dissertationen
Seit 2011 wird bei VroniPlag Wiki Plagiat in Dissertationen dokumentiert, aktuell sind 175 Fälle publiziert worden. Obwohl diese Fälle nur die Spitze des Eisbergs sind, reagieren die Hochschulen teilweise sehr träge auf Plagiatsanzeigen, obwohl es durchaus Lichtblicke gibt. Interessanterweise sind die Dissertationen alle veröffentlicht, also eigentlich sichtbar für jedem. Nur, wie macht man Plagiat sichtbar?(Video)
13:45 kleine Pause (20 Minuten)
14:05 Arne Semsrott:
10 Jahre Informationsfreiheitsgesetz – Wie wir den Staat zu mehr Transparenz zwingen
Das Informationsfreiheitsgesetz feiert dieses Jahr seinen zehnten Geburtstag – und niemand feiert mit. Zwar ist der Zugang zu staatlichen Informationen längst als Teil der Menschenrechtskonvention und der Jahrhundertziele der Vereinten Nationen anerkannt. In Deutschland bleibt das Thema aufgrund mangelnden Engagements und schlechten Gesetzen aber meist unter dem Radar. Wie können wir das ändern? Und welche Mittel haben wir, um den Staat zu mehr Transparenz zu zwingen?(Video)
15:10 Ok-Hee Jeong:
Social Media in Südkorea: Staatliches Machtinstrument vs. „fünfte Gewalt“ in einer defekten Demokratie
Seit der Gründung der Republik 1948 herrschten jahrzehntelang Diktatoren über Südkorea. Erst Ende 1980 gelang es den Bürgern, sich die Demokratie zu erkämpfen. Dennoch ist das Erbe der Diktaturzeit immer noch nicht überwunden. Mittlerweile nennt sich Südkorea stolz eine „digitale Supermacht“. Nirgendwo sonst ist die Infrastruktur des Internets so fortgeschritten wie in Südkorea, die Internetverbindung so schnell und die sozialen Netzwerke so unentbehrlich. Der Geheimdienst und eine Cybereinheit des Militärs machten sich bei der Präsidentschaftswahl 2012 genau das zunutze und führten mithilfe der Social Media für den Wahlsieg der jetzigen Präsidentin Park Geun-Hye verdeckt Wahlkampf. Wie der Staat mithilfe der Social Media die Bürger manipuliert und lenkt, aber gleichzeitig wie unentbehrlich die Rolle der Social Media als „fünfte Gewalt“ in dieser defekten Demokratie ist, soll in diesem Beitrag anhand einiger Beispiele beleuchtet werden. (Video)
15:55 Ausklang
16:00 Ende

Über die Rednerinnen und Redner

Jan Philipp Albrecht sitzt für die Grünen im EU-Parlament und verhandelte dort wesentlich die EU-Datenschutzgrundverordnung. Zudem ist er dort stellvertretender Vorsitzender des Innenausschusses. Davor spezialisierte er sich in IT-Recht an den Universitäten Hannover und Oslo. Seither lehrt er neben seiner Abgeordnetentätigkeit Europäische Rechtsinformatik an der Universität Wien und schreibt juristische Fachbeiträge.

Corinna Bath ist derzeit Gastprofessorin für „Gender&Technik“ an der TU Graz. Sie hat seit 2012 die Maria-Goeppert-Mayer-Professur für Gender, Technik und Mobilität an der TU Braunschweig inne. Als Informatikerin und Geschlechterforscherin interessiert sie sich für Vergeschlechtlichungen informatischer Artefakte wie Algorithmen und Möglichkeiten, den damit verbundenen Problematiken entgegenzuwirken.

Anna Biselli schreibt für netzpolitik.org, und dokumentiert zusammen mit Andre Meister jede öffentliche Sitzung des NSA-Untersuchungsausschusses. Da die Originalprotokolle erst nach dem Abschluss des Ausschusses veröffentlicht werden sollen, sind die Live-Blogs derzeit die einzige Möglichkeit, einen umfassenden Einblick in die Sitzungen zu bekommen. Anna versucht herauszufinden, was man gegen Geheimdienste und andere Spielarten der Überwachung tun kann.

Wolfgang Coy ist Informatiker und gestaltete den Fachbereich „Informatik und Gesellschaft“ in Deutschland wesentlich mit. Er leitete die Forschungsgruppe „Informatik in Bildung und Gesellschaft“ an der Humboldt-Universität zu Berlin und arbeitet aktuell im Interdisziplinären Labor „Bild – Wissen – Gestaltung“. Er ist im Beirat des FIfF.

Marit Hansen ist seit 2015 die Landesbeauftragte für Datenschutz Schleswig-Holstein und leitet das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz (ULD). Davor war die Diplom-Informatikerin sieben Jahre lang stellvertretende Landesbeauftragte für Datenschutz. Im ULD hat sie den Bereich der Projekte für technischen Datenschutz und das Innovationszentrum Datenschutz & Datensicherheit (ULD-i) aufgebaut. Seit 1995 arbeitet sie zu Themen des Datenschutzes und der Informationssicherheit. Ihr Schwerpunkt liegt auf der grundrechtskonformen Gestaltung von Systemen, insbesondere durch Privacy by Design und Privacy by Default.

Leon Hempel leitet den Forschungsbereich Sicherheit – Risiko – Privatheit am Zentrum Technik und Gesellschaft (ZTG) der Technischen Universität Berlin.

Ok-Hee Jeong arbeitet als freie Journalistin in Berlin. Ihre Themenschwerpunkte sind Politik und Gesellschaft Südkoreas. Ihr erster Dokumentarfilm SEWOL wurde 2015 fertiggestellt und hat Ende 2016 Premiere in Deutschland. Zurzeit arbeitet sie an ihrem zweiten Dokumentarfilm über Liebe im Alter bei gleichgeschlechtlichen Paaren.

Sylvia Johnigk forscht und arbeitet seit über 25 Jahren im Bereich IT-Sicherheit, seit 2009 ist sie selbstständige Beraterin in Großkonzernen. Ebenfalls seit 2009 ist sie im Vorstand des FIfF e.V.

Dieter Klumpp ist als Wissenschaftspublizist und Wissenschaftsmanager seit vier Jahrzehnten im interdisziplinären Themenbereich ‚Technik und Gesellschaft‘ tätig. Seit 1999 Lehraufträge an Universitäten (Kommunikationswissenschaft, Philosophie, Informatik, Soziologie), seit 2012 am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Stuttgart. Zusammen mit internationalen Partnern wirkt er im unabhängigen Institut für Kommunikationsforschung e.V., Stuttgart.

Andrea Knaut ist Informatikerin und hat ihre Dissertation zum Thema "Fehler und Benutzungsprobleme von Fingerabdruckerkennungssystemen im gesellschaftlichen Kontext" geschrieben. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin hat sie mehrere Jahre an der Humboldt-Universität zu Informatik und Gesellschaft und der Didaktik der Informatik geforscht und gelehrt. Sie ist aktiv in der Fachgruppe "Internet und Gesellschaft" der Gesellschaft für Informatik e.V. und Mitglied des FIfF e.V.

Hans-Jörg Kreowski ist Professor (i.R.) für Theoretische Informatik an der Universität Bremen und Vorstandsmitglied des Forums InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung. Neben seinen fachlichen Schwerpunkten hat er seit vielen Jahren auch immer wieder zur unheilvollen Verflechtung von Informatik und Rüstung in Wort und Schrift Stellung genommen.

Max Krüger is interested in spaces, experiences and technologies to foster collaboration, creativity and the active exchange of knowledge. He worked on several highly regarded projects including UIKonf, the Global Innovation Lounge and the Creative Space Explorer. He recently helped to start a University Hackerspace in Lahore, Pakistan.

Constanze Kurz ist promovierte Informatikerin, Sachbuchautorin, Sprecherin des CCC und Redakteurin bei Netzpolitik.org. Sie beschäftigt sich mit den Themen Digitalisierung, Datenschutz und den gesellschaftlichen Auswirkungen von Automatisierung insgesamt. Darüber schreibt sie auch regelmäßig in ihrer FAZ-Kolumne "Aus dem Maschinenraum".

Klaus Landefeld ist Vorstand für Infrastruktur und Netze beim eco e.V., dem größten Verband der Internetwirtschaft in Europa. Er ist Beirat der DE-CIX Management GmbH, Betreiberin des weltgrößten Internetknotens. Darüber hinaus ist er selbständiger Unternehmer und Gründungsmitglied der DENIC eG, AMS-IX, MINX und weiteren IP-Exchanges weltweit. Er war geladener Sachverständiger im NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestages.

Erich Möchel ist seit 1983 Medienkritiker und Kulturjournalist; für den Falter, das Radio OE1, den Standard, das Wirtschaftsblatt, für heise.de, quintessenz, Futurezone, den ORF und einige mehr. Er beschäftigte sich schon lange vor Edward Snowden und Echelon kritisch mit geheimdienstlichen Abhörpraktiken. Darüber hinaus ist er Mitglied beim Österreichischen Journalisten-Club und im International Board of Advisors von Privacy International. Er ist zudem Autor mehrerer Romane und Theaterstücke.

Kai Nothdurft arbeitet als Information Security Officer in einer großen deutschen Versicherung. Seit 2009 ist Kai Nothdurft im Vorstand des FIfF e.V. aktiv. Seit Jahren hält er Vortäge und schreibt Artikel, die sich kritisch mit seinem Fachgebiet der IT-Sicherheit beschäftigen.

Arne Semsrott arbeitet für die Open Knowledge Foundation Deutschland und betreut dort das Portal zur Informationsfreiheit FragDenStaat.de. Außerdem leitet er bei Transparency Deutschland die AG Wissenschaft und ist Mitglied im Beirat des Whistleblower-Netzwerks.

Judith Simon ist Associate Professorin für Wissenschaftstheorie und Technikphilosophie an der IT University of Copenhagen. Sie ist zudem Editorin der Journals „Philosophy & Technology“ und „Big Data & Society“ sowie Vorstandsmitglied in der International Association of Computing and Philosophy (IACAP) sowie der International Society for Ethics and Information Technology (INSEIT).

Melanie Stilz has a background in European Ethnology and Computer Science and a PhD in Communications, researching on the intersection of digital technologies, communication studies, STS and international development. Since 2013 Melanie is a research associate at TU Berlin with a teaching a research interest in electronics, digital labs and ICTs and education and working on a freelance basis as a consultant in the same area.

Stefan Ullrich ist Kritischer Informatiker und seit 2011 Sprecher der Fachgruppe „Informatik und Ethik“ der Gesellschaft für Informatik (GI). Er forscht zu „neuen Öffentlichkeiten“.

Gaby Weber ist seit 1978 hauptberufliche Journalistin, arbeitete zuerst für den stern und ab 1981 für die ARD. Seit 1985 ist sie freiberuflich als Südamerika-Korrespondentin tätig. Für ihre Archivarbeit macht sie vom Recht auf Informationsfreigabe Gebrauch oder führt in diesen Angelegenheiten gerichtliche Verfahren gegen staatliche Institutionen zur Anerkennung dieses grundlegenden Rechts.

"Debora Weber-Wulff" is the orthonym of "WiseWoman" on Wikipedia and VroniPlag Wiki.

Ort des Geschehens

Hörsaal HE101, Workshopraum MA141
im Mathematikgebäude TU Berlin (MA)
Straße des 17. Juni 136
10623 Berlin (in externer Karte öffnen)
S-Bahn: S-Tiergarten oder U-Bahn: U-Ernst-Reuter-Platz

Der Vortragssaal ist rollstuhlgerecht. Mehr Infos: Gebäude | Hörsaal


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Anfahrt

Ausführliche Hinweise zur Anfahrt finden sich hier. Mit dem Stichwort "GI" kann man mit der Deutschen Bahn für 99,-€ ein Ticket für Hin- und Rückfahrt buchen, da es sich um eine von der GI mitveranstaltete Konferenz handelt. Details siehe hier.

Über uns

Liebe Interessierte,

unser Verein gründete sich vor 32 Jahren aus einer historischen Situation heraus, als es galt, das Schweigen einer Zunft zu brechen, die so maßgeblich an der Entwicklung automatisierter und informatisierter Kriegsführung beteiligt war. Die Gründungsmitglieder leisteten dem NATO-Doppelbeschluss offen Widerstand, sie wollten die Informations- und Kommunikationstechnologie vor allem als Mittel der Völkerverständigung genutzt wissen.

Informationen über unsere Kooperationspartner ZTG finden sich hier und über die Fachgruppe Informatik und Ethik der GI hier.

Wir sehen uns bei all der um sich greifenden und ausufernden Technikgläubigkeit in der Verantwortung, auf die Missstände einer von der Informatik geprägten Gesellschaft hinzuweisen und an der humanitären Gestaltung der »Digitalen Gesellschaft« konstruktiv mitzuwirken.

Mit dieser Konferenz führen wir vom FIfF e. V. gemeinsam mit Ihnen unser politisches und wissenschaftliches Engagement fort.

Wir wollen ...

... dass Informationstechnik im Dienst einer lebenswerten Welt steht. Deshalb
  • warnen wir die Öffentlichkeit vor Entwicklungen in unserem Fachgebiet, die wir für schädlich halten;
  • setzen wir möglichen Gefahren eigene Vorstellungen entgegen;
  • kämpfen wir gegen den Einsatz der Informationstechnik zur Kontrolle und Überwachung;
  • engagieren wir uns für eine Abrüstung der Informatik in militärischen Anwendungen;
  • fördern wir die Entwicklung von ökologisch verträglichen Wirtschaftskreisläufen mit Hilfe von Informationstechnik;
  • unterstützen wir die menschengerechte Gestaltung von Arbeitsprozessen;
  • setzen wir uns bei Gestaltung und Nutzung der Informationstechnik für die Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderungen ein;
  • arbeiten wir gegen die Benachteiligung von Frauen in der Informatik;
  • wehren wir uns gegen jegliche rassistische und sexistische Nutzung oder andere diskriminierende Nutzung der Informationstechnik;
  • setzen wir der Vorherrschaft der Ökonomie eine humane und ökologische Orientierung entgegen.

Wir sind ...

... etwa 700 engagierte Menschen aus Wissenschaft und Praxis. Wir sind Fachleute der Informatik und Informationstechnik. Wir denken bei unserer Arbeit auch über deren Konsequenzen nach. Wir wissen, dass nicht alle Probleme technisch lösbar sind. Wir heißen alle willkommen, die Informationstechnik verwenden oder sich Gedanken über ihre gesellschaftliche Rolle machen.

Allen, die sich mit Informatik und Informationstechnik beschäftigen – in der Ausbildung im Beruf oder danach, in Wissenschaft und Praxis – wollen wir ein Forum für eine kritische und lebendige Auseinandersetzung bieten – offen für alle, die mitarbeiten möchten oder auch einfach nur informiert bleiben wollen.

Unsere Arbeit wird vom FIfF-Vorstand koordiniert. In wissenschaftlichen Fragen unterstützt uns der Beirat des FIfF. Wir kooperieren mit zahlreichen in- und ausländischen Initiativen und Organisationen.

In zahlreichen Veröffentlichungen dokumentieren wir unsere Arbeit. Die kritische Computerzeitung FIfF-Kommunikation erscheint vierteljährlich. Aktuelle Informationen und Diskussionen gibt es in der FIfF-Mailing-Liste.

Alle unsere Werke und Veranstaltungen atmen den Geist des Humanismus; Diskriminierungen gleich welcher Art haben dort folglich keinen Platz und werden auch nicht toleriert.

Mitglied des FIfF werden ...

Wer sich für eine Mitgliedschaft interessiert, findet hier unsere Satzung und ein Anmeldeformular.

Weitere Informationen...

... sowie Publikationen aus der Wissenschaftsdisziplin »Informatik & Gesellschaft« findet ihr auf unserer offiziellen Webseite unter www.fiff.de.

Unsere Konferenzen und Jahrestagungen der letzten Jahre

Kontaktmöglichkeiten

Eine Konferenz des Forums der InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF) in Kooperation mit: